Beitrag: Medizinische Versorgungszentren in Deutschland

Ende 2024 waren in Deutschland 5.085 Medizinische Versorgungszentren zugelassen, nach 4.897 im Vorjahr. Das entspricht einem Zuwachs von 188 Einrichtungen innerhalb eines Jahres, wie die aktuelle MVZ-Statistik der KBV zeigt. Medizinische Versorgungszentren sind damit längst kein Sondermodell mehr, sondern ein fester Bestandteil der ambulanten Versorgung.

Für Patienten verändert diese Entwicklung den Weg durch das Gesundheitssystem. Hausärztliche Untersuchung, fachärztliche Abklärung, Labordiagnostik und manchmal auch psychotherapeutische Unterstützung können in einer gemeinsamen Organisationsstruktur liegen. Ob das tatsächlich kürzere Wege, schnellere Termine und eine bessere Abstimmung bedeutet, hängt allerdings davon ab, wie ein MVZ geführt ist, welche Fachrichtungen vertreten sind und ob genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.

Inhaltsverzeichnis

Warum Medizinische Versorgungszentren die Versorgung verändern

Ein typischer Vormittag in einem Berliner MVZ zeigt, was sich für Patienten ändern kann. Eine ältere Patientin kommt wegen Knieschmerzen, lässt den Blutdruck kontrollieren und spricht danach über anhaltende Schlafprobleme. Hausärztin, Orthopädin und Psychotherapeut arbeiten in derselben ambulanten Organisationsstruktur. Die Patientin muss ihre Beschwerden deshalb nicht zwingend über drei voneinander getrennte Praxen koordinieren.

Ein gemeinsamer Standort verkürzt Wege und kann die Abstimmung erleichtern. Befunde sind schneller auffindbar, Überweisungen lassen sich organisatorisch besser anschließen und der Behandlungspfad muss bei einem Facharztwechsel nicht vollständig neu beginnen. Gerade bei chronischen Erkrankungen oder mehreren Beschwerden hilft diese Verbindung im Alltag.

Der Vorteil entsteht jedoch nicht allein durch die Adresse. Termine können weiterhin an unterschiedlichen Tagen liegen, Informationen müssen aktiv weitergegeben werden und freie Behandlungskapazitäten bleiben begrenzt. Für Patienten entscheidet daher die konkrete Organisation darüber, ob das MVZ tatsächlich einen leichteren Zugang zu Fachärzten bietet.

Ein Modell mit starkem Wachstum

Seit der Einführung im Zuge der Gesundheitsreform 2004 hat sich die Organisationsform stark verbreitet. Die KBV-Daten zur Entwicklung der MVZ dokumentieren den kontinuierlichen Ausbau über mehr als zwei Jahrzehnte. Diese Entwicklung macht MVZ für viele Patienten zu einer regulären Anlaufstelle, besonders dort, wo mehrere Fachrichtungen an einem Standort gebündelt sind.

Grafik zeigt das Wachstum der medizinischen Versorgungszentren in Deutschland von 2017 bis 2024 um über 80 Prozent.

Für die Versorgungsqualität zählt nicht nur die Zahl der Standorte. Ausschlaggebend sind die verfügbaren Fachkräfte, die Terminsteuerung und die Zusammenarbeit zwischen den Fachrichtungen. Angaben zur Personalstruktur zeigen, dass MVZ auch wichtige Arbeitgeber für Ärztinnen, Ärzte und nichtärztliches Personal sind, wie eine Einordnung zur MVZ-Anzahl und Personalstruktur erläutert.

Praktische Einordnung: Ein MVZ kann Versorgung besser verbinden, den Fachkräftemangel in der Pflege jedoch nicht durch Organisation allein lösen. Entscheidend bleiben Menschen, verlässliche Abläufe und erreichbare Kapazitäten.

Für Einrichtungen folgt daraus eine konkrete Aufgabe: Zur Raumplanung und Zulassung kommen Ausfallmanagement, Vertretungsregelungen und die langfristige Bindung qualifizierter Fachkräfte hinzu. Ohne diese Grundlage bleibt die gemeinsame Struktur für Patienten organisatorisch bequem, führt aber nicht automatisch zu schnelleren Terminen.

Was ein Medizinisches Versorgungszentrum eigentlich ist

Ein Medizinisches Versorgungszentrum, kurz MVZ, ist rechtlich eine ärztlich geleitete, fachübergreifende Einrichtung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung. Die gesetzliche Grundlage bildet § 95 SGB V. Dort ist auch geregelt, welche Träger und Rechtsformen für ein MVZ zulässig sind.

Für Patienten lässt sich ein MVZ als ambulante Versorgung unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach verstehen. Anmeldung, Räume, Geräte und Terminabläufe können zusammengeführt sein. Nach der Behandlung kehren Patienten nach Hause zurück. Anders als in einem Krankenhaus bleibt die Versorgung grundsätzlich ambulant.

Was fachübergreifend bedeutet

Fachübergreifend bedeutet, dass mehrere ärztliche Fachrichtungen in derselben Einrichtung vertreten sind und auf abgestimmte Abläufe zurückgreifen können. Ein MVZ ist deshalb nicht lediglich eine grössere Praxis mit mehreren Behandlungszimmern. Die Organisationsform schafft Voraussetzungen für die Zusammenarbeit, etwa zwischen Allgemeinmedizin, Orthopädie und Innerer Medizin.

Für Patienten kann das kürzere organisatorische Wege bedeuten. Befunde müssen nicht zwangsläufig zwischen vollständig getrennten Einrichtungen weitergegeben werden. Ob dadurch tatsächlich schneller ein Termin oder eine Anschlussbehandlung möglich ist, hängt jedoch von Personal, Sprechstunden und Terminplanung ab.

Die ärztliche Leitung ist vorgeschrieben. Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen können zugleich angestellt im MVZ arbeiten. Darin unterscheidet sich die Struktur von der klassischen Einzelpraxis, die eine Ärztin oder ein Arzt allein oder mit angestelltem Personal führt.

Träger und Rechtsformen

Als Träger kommen unter anderem Vertragsärzte, Krankenhäuser, Kommunen, gemeinnützige Träger, Praxisnetze und weitere zugelassene Leistungserbringer infrage. Möglich sind nach § 95 SGB V eine Personengesellschaft, eine eingetragene Genossenschaft, eine GmbH oder eine öffentlich-rechtliche Rechtsform.

Diese Konstruktion verbindet medizinische Verantwortung mit gemeinsamer Organisation. Ein Träger kann Personal, Verwaltung, Räume und Investitionen bündeln, während die Behandlung unter ärztlicher Leitung bleibt. Für Einrichtungen erleichtert das angestellte Arbeitsmodelle und abgestimmte Prozesse. Die Struktur ersetzt weder die Zulassung noch ausreichendes Fachpersonal und verlässliche Versorgungskapazitäten.

Leistungsspektrum und typische Fachbereiche im MVZ

Das Leistungsspektrum eines MVZ richtet sich nach den zugelassenen Fachrichtungen und dem regionalen Bedarf. Häufig finden Patienten hausärztliche Versorgung, Innere Medizin, Orthopädie, Gynäkologie, Pädiatrie, Augenheilkunde, Dermatologie, Psychotherapie oder psychiatrische Angebote. Kein MVZ muss alle diese Disziplinen anbieten.

Der Vorteil entsteht dort, wo der Patientenweg sinnvoll organisiert ist. Eine Person mit Verdacht auf Bluthochdruck kann zunächst hausärztlich untersucht werden. Falls die Befunde eine weitere Abklärung erfordern, können kardiologische Diagnostik, Laboruntersuchungen und eine Beratung zu Ernährung oder Lebensstil innerhalb derselben Organisationsstruktur anschliessen.

Zwei typische Versorgungssituationen

Bei einem chronisch kranken Patienten mit mehreren Erkrankungen liegt der Nutzen vor allem in der Koordination. Befunde, Medikationspläne und Überweisungen lassen sich leichter abstimmen, wenn die beteiligten Fachkräfte auf gemeinsame Prozesse zurückgreifen. Die Entscheidung über eine Behandlung bleibt trotzdem bei der jeweils zuständigen Ärztin oder beim zuständigen Arzt.

Bei einer akuten Sportverletzung zählt dagegen der schnelle Zugang zur passenden Fachrichtung. Ein MVZ mit orthopädischem Angebot und geeigneter Diagnostik kann den Weg von der ersten Untersuchung bis zur Bildgebung und weiteren Behandlung verkürzen. Ob das am selben Tag möglich ist, hängt von Terminlage, Ausstattung und Dringlichkeit ab.

Fachbereich Typisches Angebot im MVZ Beispiel aus dem Patientenalltag
Hausärztliche Versorgung Erstuntersuchung, Verlaufskontrollen, Impfungen und Vorsorge Eine Patientin lässt Beschwerden abklären und erhält eine koordinierte Überweisung.
Innere Medizin Abklärung internistischer Beschwerden und Betreuung chronischer Erkrankungen Blutdruck, Stoffwechsel und weitere Risikofaktoren werden in einem Behandlungspfad betrachtet.
Orthopädie Untersuchung des Bewegungsapparats, Nachsorge und kleinere Eingriffe Nach einer Verletzung erfolgt die fachärztliche Einschätzung ohne zusätzlichen Praxiswechsel.
Gynäkologie und Pädiatrie Fachärztliche Kontrollen, Vorsorge und Behandlung typischer Beschwerden Familien können unterschiedliche ambulante Angebote am selben Standort nutzen.
Psychotherapie und Psychiatrie Diagnostik, Gespräche und fachärztliche Behandlung Psychische Beschwerden werden nicht nur als Nebenproblem einer körperlichen Erkrankung behandelt.
Diagnostik und ergänzende Angebote Labor, Untersuchungen, Disease-Management-Programme und teils Videosprechstunden Verlaufskontrollen können teilweise digital oder durch zentrale Abläufe unterstützt werden.

Viele MVZ ergänzen ihre Fachbereiche durch Vorsorgeuntersuchungen, Impfangebote, Disease-Management-Programme, kleinere chirurgische Eingriffe oder telemedizinische Sprechstunden. Für Patienten ist deshalb nicht allein der Name des Zentrums entscheidend, sondern die konkrete Frage: Welche Leistung brauche ich, und ist sie an diesem Standort tatsächlich verfügbar?

Der rechtliche Rahmen nach § 95 SGB V

Seit der Einführung des MVZ im Jahr 2004 entscheidet nicht die gemeinsame Adresse über seinen rechtlichen Status, sondern die Zulassung als eigenständige Einrichtung der vertragsärztlichen Versorgung. Mehrere Ärzte können Räume teilen, ohne ein MVZ zu bilden. Erforderlich sind eine zulässige Rechtsform und Trägerschaft, eine ärztliche Leitung sowie die Zulassung durch den zuständigen Zulassungsausschuss. Für Patienten wirkt sich das indirekt aus: Erst dieser Rahmen schafft die organisatorische Grundlage für mehrere Fachrichtungen, angestellte Ärzte und feste Versorgungsabläufe an einem Standort.

Die gesetzlichen Vorgaben lassen verschiedene Träger zu. Dazu gehören Vertragsärzte, Krankenhäuser, Kommunen, gemeinnützige Organisationen, Praxisnetze und weitere Leistungserbringer. Als Rechtsformen kommen unter anderem eine GmbH, eine Personengesellschaft, eine Genossenschaft oder eine öffentlich-rechtliche Organisation infrage. Den rechtlichen Ausgangspunkt bilden die Vorschriften des § 95 SGB V.

Zulassung und ärztliche Verantwortung

Die Zulassung legt fest, ob und in welchem Rahmen das MVZ an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen darf. Dafür müssen organisatorische und fachliche Voraussetzungen erfüllt sein. Die ärztliche Leitung steht dabei für die fachliche Verantwortung. Sie soll sicherstellen, dass medizinische Entscheidungen und interne Abläufe nicht allein nach wirtschaftlichen oder administrativen Kriterien gesteuert werden.

Das MVZ benötigt passende fachärztliche Kompetenzen sowie angestellte oder zugelassene Ärzte, die den Versorgungsauftrag erfüllen. Die konkreten Anforderungen richten sich unter anderem nach dem Zulassungsstatus und der regionalen Bedarfsplanung. Die beteiligten Ärzte müssen außerdem die jeweiligen Voraussetzungen, einschließlich der Eintragung in das Arztregister, erfüllen.

Abrechnung und Versorgungsauftrag

Nach der Zulassung rechnet das MVZ vertragsärztliche Leistungen über die Strukturen der Kassenärztlichen Vereinigung ab. Der Standort wird in die regionale Versorgungsplanung eingeordnet und erhält einen bestimmten Versorgungsauftrag. Für Patienten kann das kurze Wege und leichteren Zugang zu Fachärzten bedeuten. Ob tatsächlich kürzere Wartezeiten entstehen, hängt jedoch von Kapazitäten, Terminsteuerung und der verfügbaren Zahl an Ärzten und medizinischem Personal ab.

Zum Auftrag gehören verlässliche Sprechstunden, fachgerechte Dokumentation sowie die Einhaltung medizinischer und datenschutzrechtlicher Vorgaben. Auch die jeweils geltenden Anforderungen der ambulanten Versorgung müssen erfüllt werden. Eine Teilnahme an der Notfallversorgung richtet sich nach regionalen Regelungen und dem konkreten Zulassungsrahmen.

Grafik zum rechtlichen Rahmen von Medizinischen Versorgungszentren gemäß Paragraph 95 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch in Deutschland.

Für Träger müssen rechtliche, medizinische und wirtschaftliche Zuständigkeiten zusammenpassen. Verträge sollten Verantwortlichkeiten, Anstellungsbedingungen, Vertretungen und Entscheidungswege eindeutig regeln. Hinweise bietet die Vertragsgestaltung im Gesundheitswesen.

Ein MVZ ist damit eine zugelassene ambulante Versorgungseinrichtung mit ärztlicher Leitung, festgelegtem Auftrag und klaren Verantwortungsregeln. Seine Struktur kann den Zugang für Patienten erleichtern, verlangt von Einrichtungen aber eine sorgfältige Organisation und ausreichend Personal.

Unterschiede zwischen MVZ, Einzelpraxis und Praxisgemeinschaft

Die drei Organisationsformen sehen für Patienten auf den ersten Blick ähnlich aus. Überall gibt es Sprechstunden, Anmeldung und ärztliche Behandlung. Der entscheidende Unterschied liegt in der Trägerschaft, der internen Organisation und der Frage, wer wirtschaftliche und medizinische Verantwortung trägt.

Merkmal MVZ Einzelpraxis Praxisgemeinschaft
Trägerschaft Gemeinsame zugelassene Einrichtung mit zulässigem Träger Eine Ärztin oder ein Arzt beziehungsweise eine einzelne Praxis Mehrere rechtlich eigenständige Praxen
Anzahl der Ärzte Mehrere Ärzte, häufig aus unterschiedlichen Fachrichtungen Grundsätzlich eine ärztliche Praxis Mehrere Ärzte, organisatorisch getrennt
Fachgebiete Fachübergreifende Versorgung ist strukturell angelegt Meist ein Fachgebiet Fachgebiete können verschieden sein, müssen aber nicht gemeinsam organisiert werden
Anstellungsmodell Angestellte und zugelassene Ärzte möglich Selbstständige Praxisführung, Anstellung ergänzend möglich Jede Praxis entscheidet selbst
Abrechnung Über das zugelassene MVZ und die vertragsärztlichen Strukturen Über die einzelne Praxis Jede Praxis rechnet eigenständig ab
Investitionen Gemeinsame Investitionen in Räume, Geräte und Verwaltung möglich Investitionen liegen stärker bei der Einzelpraxis Gemeinsame Nutzung ist möglich, Entscheidungen bleiben getrennt
Patientenerfahrung Kürzere organisatorische Wege zwischen Fachrichtungen möglich Hohe persönliche Kontinuität durch eine zentrale Bezugsperson Gemeinsame Adresse, aber nicht zwingend gemeinsame Behandlung

Die Stärke der Einzelpraxis

Eine Einzelpraxis kann besonders dann überzeugen, wenn Patienten eine sehr persönliche und kontinuierliche Betreuung suchen. Die Ärztin oder der Arzt kennt häufig die Krankengeschichte über lange Zeit. Gleichzeitig konzentriert sich die Versorgung meist auf ein Fachgebiet, und Vertretung oder Nachfolge können stärker von einer einzelnen Person abhängen.

Für junge Ärztinnen und Ärzte bedeutet die Selbstständigkeit Gestaltungsspielraum, aber auch wirtschaftliches Risiko. Räume, Geräte, Personal, Verwaltung und Ausfallzeiten müssen eigenständig organisiert werden.

Wo das MVZ Vorteile bietet

Ein MVZ kann unterschiedliche Arbeitsmodelle bündeln und angestellten Ärzten den Einstieg ohne eigene Praxisinvestition ermöglichen. Gemeinsame Verwaltung, Urlaubsvertretung und fachlicher Austausch können die Organisation erleichtern. Längere Öffnungszeiten oder mehrere Fachrichtungen sind möglich, aber nicht gesetzlich garantiert.

Eine Praxisgemeinschaft liegt dazwischen. Sie kann Kosten für Räume oder Geräte teilen, bietet aber nicht automatisch eine gemeinsame Patientensteuerung. Wer eine neue Praxisstruktur plant oder Personal flexibel einsetzen muss, sollte deshalb genau zwischen gemeinsamer Trägerschaft und blosser räumlicher Kooperation unterscheiden. Für die Suche nach passenden personellen Modellen kann ein Personaldienstleister im Gesundheitswesen eine mögliche Anlaufstelle sein.

Regionale Verbreitung und strukturelle Trends

MVZ konzentrieren sich vor allem auf bevölkerungsreiche und medizinisch gut ausgebaute Regionen. Zum Stichtag 31.12.2024 gab es in Bayern 1.062 MVZ, in Nordrhein-Westfalen 1.012, in Baden-Württemberg 445 und in Berlin 339. Die regionale MVZ-Statistik für Deutschland verdeutlicht damit ein deutliches Stadt-Land-Gefälle.

Karte von Deutschland zeigt die regionale Verteilung medizinischer Versorgungszentren mit Konzentrationen in Berlin, Hamburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Eine hohe Zahl an Standorten garantiert allerdings keine kurze Wartezeit in jeder Gemeinde. Ballungsräume bieten grössere Patientenpotenziale, mehrere Krankenhausstandorte, bessere Verkehrsanbindungen und einen breiteren Arbeitsmarkt für medizinische Fachkräfte. Auf dem Land kann ein MVZ den Zugang zu Fachärzten verbessern, wenn es mehrere Angebote an einem Ort bündelt. Fehlen jedoch Ärzte und medizinische Fachangestellte, bleiben Termine trotz vorhandener Struktur knapp.

Warum Standorte unterschiedlich wachsen

Mehrere Entwicklungen wirken zusammen:

  • Nachfolgeprobleme: Findet eine etablierte Einzelpraxis keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger, kann ein MVZ ihre Versorgung organisatorisch weiterführen.
  • Angestellte Tätigkeit: Ärztinnen und Ärzte arbeiten angestellt, ohne selbst das vollständige Investitions- und Betriebsrisiko einer Einzelpraxis zu tragen.
  • Krankenhausanbindung: Krankenhäuser können ambulante Angebote mit bestehenden Strukturen verbinden.
  • Bedarfsplanung: Zulassung und Standortwahl orientieren sich an regionalen Versorgungsbedarfen und gesetzlichen Vorgaben.

Die Entwicklung betrifft auch die Personalrealität. Die Zahl der MVZ stieg von 4.574 im Jahr 2022 auf 4.897 im Jahr 2023 und weiter auf 5.085 im Jahr 2024. 2024 waren rund 31.872 Ärzte und Psychotherapeuten in MVZ beschäftigt. Für Patienten kann mehr Personal zusätzliche Sprechzeiten ermöglichen. Für Einrichtungen bedeutet das zugleich laufenden Aufwand bei Rekrutierung, Einarbeitung und Vertretung.

Die kritische Seite der Konzentration

Grössere Träger können Abläufe standardisieren und Investitionen finanzieren. Wenn sich viele Einrichtungen auf wenige Träger verteilen, stellen sich jedoch Fragen zur freien Arztwahl, zur Transparenz wirtschaftlicher Interessen und zur Versorgung in strukturschwachen Gebieten.

Ein MVZ in einer gut angebundenen Grossstadt löst deshalb nicht automatisch das Nachfolgeproblem einer abgelegenen Praxis. In dünn besiedelten Regionen entscheidet häufig die Personalgewinnung darüber, ob ein Standort dauerhaft geöffnet bleibt. Welche organisatorischen Hürden die Versorgung auf dem Land prägen, zeigt auch die Pflegeversorgung auf dem flachen Land.

Patienten und Einrichtungen im Umgang mit MVZ

Patienten müssen nicht jedes MVZ im Detail analysieren. Eine einfache Prüfung hilft, den passenden Standort und die richtige Fachrichtung zu finden.

Eine sechsstufige Infografik erklärt den Prozess für Patienten bei der Suche und Nutzung medizinischer Versorgungszentren.

Sechs Schritte zur passenden Einrichtung

  1. Suche starten: Nutzen Sie die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung oder die bundesweite KBV-Suche nach Postleitzahl und Fachgebiet.
  2. Angebot abgleichen: Prüfen Sie, ob das MVZ die benötigte Fachrichtung, Diagnostik und gegebenenfalls Videosprechstunden anbietet.
  3. Termin direkt erfragen: Fragen Sie telefonisch nach dem nächsten Termin, der Dringlichkeit und möglichen Voraussetzungen für eine Überweisung.
  4. Erreichbarkeit prüfen: Achten Sie auf öffentliche Verkehrsmittel, Parkmöglichkeiten und Barrierefreiheit.
  5. Unterlagen vorbereiten: Bringen Sie die elektronische Gesundheitskarte, aktuelle Medikamente, Vorbefunde und relevante Arztbriefe mit.
  6. Erfahrung zurückmelden: Bewerten Sie nicht nur die Freundlichkeit, sondern auch Erreichbarkeit, Verständlichkeit der Abläufe und den Umgang mit Wartezeiten.

Bewertungen im Internet können Hinweise geben, ersetzen aber kein eigenes Urteil. Einzelne Erfahrungsberichte beschreiben selten die medizinische Qualität vollständig. Aussagekräftiger sind konkrete Informationen zu Fachrichtungen, Sprechzeiten und dem Umgang mit Überweisungen.

Was kooperierende Einrichtungen klären sollten

Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Pflegedienste und Apotheken brauchen für eine funktionierende Zusammenarbeit klare Schnittstellen. Vor einer Kooperation sollten sie festlegen, wer Überweisungen entgegennimmt, wie Befunde zurückfliessen und wer bei Rückfragen erreichbar ist.

Wichtig sind außerdem datenschutzkonforme Kommunikationswege, etwa über die Telematikinfrastruktur, KIM oder einen TI-Messenger. Medikationspläne müssen abgestimmt und Änderungen nachvollziehbar dokumentiert werden. Eine Kooperation funktioniert nicht durch blosse Absichtserklärungen, sondern durch verbindliche Prozesse mit definierten Zuständigkeiten.

Informationen zum Schutz sensibler Gesundheitsdaten bietet der Beitrag über Datenschutz im Gesundheitswesen. Für Patienten gilt: Fragen Sie nach, wenn unklar ist, welche Unterlagen weitergeleitet werden oder wer Ihre Behandlung koordinieren soll.

Häufige Fragen rund um Medizinische Versorgungszentren

Kann ich meinen Hausarzt zu einem MVZ wechseln?

Grundsätzlich können Patienten eine hausärztliche Versorgung in einem MVZ wählen, wenn der Standort neue Patienten aufnimmt und die zuständige Fachrichtung verfügbar ist. Bei eingeschriebenen Versorgungsprogrammen oder besonderen Verträgen können zusätzliche Regeln gelten. Fragen Sie deshalb bei der Krankenkasse und beim MVZ nach, ob eine Bindung an einen bestimmten Hausarzt oder Vertrag besteht.

Für den Wechsel helfen die elektronische Gesundheitskarte, eine Medikamentenliste und wichtige Vorbefunde. Das MVZ kann dann prüfen, welche Informationen für die weitere Behandlung benötigt werden. Eine vollständige Übernahme der gesamten Patientenakte erfolgt nicht immer automatisch.

Sind Wartezeiten im MVZ kürzer?

Ein MVZ kann Termine zwischen Fachrichtungen koordinieren und Akutfälle organisatorisch besser verteilen. Eine kürzere Wartezeit ist trotzdem nicht garantiert. Sie hängt von Fachgebiet, Auslastung, Dringlichkeit, Urlaubszeiten und der verfügbaren Personalbesetzung ab.

Bei dringenden Beschwerden kann eine Überweisung mit entsprechender Kennzeichnung den Zugang beeinflussen. Patienten sollten beim Anruf konkret schildern, ob akute Schmerzen, eine Verschlechterung oder ein Kontrolltermin vorliegen. Bei lebensbedrohlichen Symptomen ist nicht das MVZ, sondern der Notruf oder die Notaufnahme zuständig.

Welche Fachrichtungen gibt es besonders häufig?

MVZ eignen sich besonders für Fachrichtungen, die bei Diagnostik und Behandlung regelmässig zusammenarbeiten. Dazu zählen etwa Hausarztmedizin, Innere Medizin, Orthopädie, Gynäkologie, Pädiatrie, Augenheilkunde, Dermatologie sowie psychotherapeutische oder psychiatrische Angebote.

Das konkrete Spektrum unterscheidet sich von Standort zu Standort. Ein Zentrum mit orthopädischem Schwerpunkt kann andere Leistungen anbieten als ein hausärztlich-internistisches MVZ. Prüfen Sie daher immer die Website oder fragen Sie die Anmeldung nach der tatsächlich verfügbaren Versorgung.

Wie reagieren MVZ auf Personalengpässe?

MVZ können mit angestellten Ärzten, Teilzeitmodellen, zentraler Verwaltung und gemeinsamer Vertretungsplanung arbeiten. Diese Möglichkeiten erleichtern die Organisation, lösen aber den Fachkräftemangel nicht. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung weist darauf hin, dass auch MVZ qualifiziertes ärztliches und nichtärztliches Personal nur schwer finden.

Für MVZ-Praxen wurde dort ein Median von 71 % Personalaufwand an den Gesamtaufwendungen berichtet. Das zeigt, wie stark die Betriebsrealität von ausreichender und verlässlicher Besetzung abhängt. Angestellte Arbeitsmodelle können attraktiv sein, doch Teilzeit, Krankheit, offene Stellen und hohe administrative Anforderungen erschweren die Kapazitätsplanung.

Die Entwicklung bleibt dynamisch. 2025 wurden bundesweit 246 MVZ neu gegründet, und bis Juli 2026 waren bereits 115 neue MVZ gezählt, wie das Zi in seiner Einordnung berichtet. Mehr Standorte bedeuten deshalb nicht automatisch mehr verfügbare Termine. Entscheidend bleibt, ob Träger die medizinischen Teams dauerhaft gewinnen, entwickeln und im Alltag stabil einsetzen können.


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