Auf der Station beginnt die Frühvisite. Nach einer abdominalen Operation meldet die Pflegekraft die Fördermenge der Drainage, beschreibt die Farbe des Sekrets und zeigt den Verband. Der Chirurg prüft die Einstichstelle, den Sog und den Bauchbefund. Erst aus diesen Informationen entsteht ein verlässliches Bild davon, ob die Drainage ihren Zweck erfüllt oder selbst zum Risiko wird.
Eine Drainage nach einer OP ist kein technisches Detail, das mit dem Hautverschluss aus dem Verantwortungsbereich des Operateurs verschwindet. Sie verbindet Operationsplanung, ärztliche Kontrolle, pflegerische Beobachtung und die Anleitung des Patienten. Wer diese Kette sauber organisiert, erkennt Veränderungen früh und verhindert, dass wichtige Informationen zwischen OP-Bericht, Übergabe und Visite verloren gehen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum eine Drainage nach der OP zur Teamaufgabe wird
- Aufbau und Wirkprinzip der wichtigsten Drainagesysteme
- Indikationen und der richtige Zeitpunkt für die Einlage
- Pflege und Beobachtung im Stationsalltag
- Entscheidungskriterien für das Ziehen der Drainage
- Komplikationen erkennen und richtig eskalieren
- Dokumentation, Übergabe und Schulung der Patienten
Warum eine Drainage nach der OP zur Teamaufgabe wird
Die Drainage soll Flüssigkeit aus einem Operationsgebiet ableiten. Dazu können Blut, Wundsekret, Lymphe oder andere Flüssigkeitsansammlungen gehören. Sie kann dem Team anzeigen, wie sich die Wunde entwickelt, eine therapeutische Ableitung ermöglichen oder eine erwartete Ansammlung kontrolliert nach aussen führen.
Gleichzeitig bleibt sie ein Fremdkörper mit einer eigenen Eintrittsstelle. Jeder zusätzliche Zugang kann Keimen den Weg in tiefere Gewebeschichten erleichtern. Deshalb darf die Frage nicht nur lauten, ob eine Drainage liegt, sondern auch: Warum liegt sie noch, funktioniert sie korrekt und ist ihr Nutzen weiterhin grösser als ihr Risiko?
Praktische Regel: Eine Drainage wird täglich begründet, beobachtet und dokumentiert. Sie läuft nicht einfach mit, weil sie am Vortag angelegt wurde.
In der beschriebenen Frühvisite übernimmt jedes Teammitglied einen anderen Teil der Sicherheitsprüfung. Die Pflegekraft kennt den Verlauf der Fördermenge, hat den Verband gesehen und kann Veränderungen an der Einstichstelle benennen. Der Chirurg verbindet diese Angaben mit dem Operationsbefund, dem klinischen Zustand und der Frage, ob noch eine relevante Ableitung erforderlich ist. Der Patient kann Schmerzen, Spannungsgefühl, Bewegungseinschränkung oder ein Ziehen am Schlauch melden.
Was sich aus kleinen Veränderungen ableiten lässt
Eine sinkende Fördermenge kann zu einem normalen Heilungsverlauf passen. Sie kann aber auch bedeuten, dass der Schlauch abgeknickt oder verstopft ist. Eine plötzlich blutige Förderung kann nach einer Bewegung auftreten, muss aber im Zusammenhang mit Kreislauf, Wundbefund und Förderverlauf beurteilt werden. Trübes oder übel riechendes Sekret verlangt eine andere Reaktion als klares, seröses Sekret.
Die Verantwortung liegt deshalb nicht bei einer einzelnen Berufsgruppe. Der Operateur legt Indikation, Lage und System fest. Die Pflege kontrolliert regelmässig die Funktion und erfasst relevante Veränderungen. Die Visite entscheidet, ob die Drainage weiter erforderlich ist. Bei der Entlassung müssen Patient und weiterbehandelnde Stellen wissen, welches System liegt und wann sie Hilfe anfordern müssen.
Deutschland hat für diese Sorgfalt einen wichtigen hygienischen Hintergrund. Postoperative Wundinfektionen wurden von der KRINKO des Robert Koch-Instituts in deutschen Akutkrankenhäusern als etwa 24 Prozent aller nosokomialen Infektionen bewertet und damit als häufigste Gruppe; für 2006 wurden ungefähr 255.000 Fälle geschätzt, wie die KRINKO-Empfehlung zu postoperativen Wundinfektionen ausführt. Drainagen lösen dieses Problem nicht automatisch. Sie müssen selbst hygienisch sicher gehandhabt und möglichst früh beendet werden.
Aufbau und Wirkprinzip der wichtigsten Drainagesysteme
Für die tägliche Arbeit genügt zunächst eine einfache Unterscheidung: Aktive Systeme erzeugen einen Sog, passive Systeme leiten Flüssigkeit über Schwerkraft oder Kapillarwirkung ab. Ein geschlossenes System sammelt das Sekret in einem Reservoir. Bei einer offenen Drainage steht der Ableitungsweg mit der Umgebung in Verbindung.
Eine Redon-Drainage und eine Jackson-Pratt-Drainage gehören zu den geschlossenen Saugdrainagen. Ein perforierter Schlauch liegt im Operationsgebiet und ist mit einem Reservoir verbunden. Wird dieses Reservoir komprimiert oder unter kontrollierten Bedingungen aktiviert, entsteht ein Unterdruck, der Flüssigkeit aus dem Gewebe in den Auffangbehälter zieht. Das funktioniert auch dann, wenn die Körperlage die Ableitung durch reine Schwerkraft erschweren würde.
Eine Differenzdrainage arbeitet ohne aktiven Sog. Der Höhenunterschied zwischen Wundgebiet und Auffanggefäss unterstützt den Abfluss. Der Begriff ist im Alltag besonders nützlich, weil er den Blick auf die messbare Fördermenge lenkt. Bei Thoraxdrainagen kommen zusätzlich Unterwasser-Siegel-Systeme zum Einsatz. Sie erlauben die Ableitung aus dem Brustraum und wirken als Sicherheitsventil gegen einen Rückstrom von Luft oder Flüssigkeit.

Wichtige Drainagesysteme im Überblick
| Drainagetyp | Wirkprinzip | Sog | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Redon-Drainage | Geschlossenes Reservoir erzeugt Unterdruck | Kontrollierter Unterdruck | Ableitung von Blut und Wundsekret nach ausgewählten Operationen |
| Jackson-Pratt | Komprimierbarer Ballon zieht Flüssigkeit in den Auffangbehälter | Sanfter kontinuierlicher Sog | Kleine bis mittlere Operationsgebiete mit kontrollierter Sekretableitung |
| Differenzdrainage | Höhenunterschied unterstützt den Abfluss | Kein aktiver Sog | Situationen, in denen Schwerkraft und Lage die Ableitung ermöglichen |
| Penrose-Drainage | Kapillarwirkung und Schwerkraft führen Sekret nach aussen | Kein Sog | Passive Ableitung, mit erhöhtem Kontaminationsrisiko |
| Unterwasser-Siegel-System | Ableitung über Flüssigkeitssiegel, Rückstrom wird begrenzt | Je nach System und Anschluss | Drainage aus dem Thorax |
| Spül-Saug-Drainage | Flüssigkeit wird eingebracht und gleichzeitig abgesaugt | Aktiver Sog | Spezifische operative Situationen mit kontrollierter Spülung |
Offene Systeme sind hygienisch anspruchsvoller, weil der Ableitungsweg leichter mit der Umgebung in Kontakt kommt. Die KRINKO empfiehlt deshalb geschlossene Systeme gegenüber offenen Ableitungen. Bei einer voraussichtlich längeren Liegedauer kann ein System mit Rücklaufsperre sinnvoll sein, weil es die retrograde Kontamination begrenzt.
Für die Pflege ist die genaue Systemkenntnis entscheidend. Eine Saugdrainage mit kontrolliertem Unterdruck darf nicht wie ein passiver Schlauch behandelt werden. Reservoir, Verbindungen, Klemmen, Schlauchverlauf und Fixierung müssen zusammen funktionieren. Schon ein abgeknickter Schlauch oder ein nicht korrekt aktiviertes Reservoir kann die Messung und die Ableitung verfälschen.
Indikationen und der richtige Zeitpunkt für die Einlage
Die wichtigste Entscheidung fällt nicht beim Verbandswechsel, sondern bereits vor oder während der Operation: Welche konkrete Komplikation soll die Drainage verhindern oder behandeln? Eine prophylaktische Drainage wird eingesetzt, wenn nach dem Eingriff eine relevante Ansammlung von Blut, Lymphe oder Sekret erwartet wird. Eine therapeutische Drainage leitet bereits vorhandene Flüssigkeit gezielt ab.
Diese Unterscheidung verhindert Routineentscheidungen. Bei einem Eingriff mit erwartbarer Nachblutung oder einer kontrollbedürftigen Flüssigkeitsproduktion kann eine Drainage sinnvoll sein. Wenn der Operateur den Totraum durch sorgfältige Gewebeschichtung, Blutstillung und Wundverschluss ausreichend kontrollieren kann und keine relevante Ansammlung erwartet wird, muss eine prophylaktische Drainage kritischer hinterfragt werden.
Die Indikation hängt vom Eingriff ab
In der Viszeralchirurgie kann die Entscheidung von Anastomosen, Sekretansammlungen, Blutungsrisiken und der Frage abhängen, ob eine intraabdominelle Flüssigkeit therapeutisch abgeleitet werden muss. In der Orthopädie spielen das Operationsgebiet, die Blutungsneigung und die lokale Gewebesituation eine Rolle. In der Neurochirurgie sind Lage, Duraverhältnisse und der Umgang mit Sog besonders relevant. Im Thoraxbereich gelten wiederum eigene Anforderungen an Ableitung, Dichtigkeit und Rückstromschutz.
Keine dieser Kategorien ersetzt den individuellen Befund. Auch die Patientensituation beeinflusst die Entscheidung, etwa die Gerinnung, die erwartete Wundheilung und die Möglichkeit einer zuverlässigen klinischen Kontrolle. Der Grund für die Einlage gehört in den Operationsbericht und in die Übergabe. Die Einlagestelle, das verwendete System und die geplante Kontrollstrategie müssen für die Station eindeutig sein.
Die deutschen Hygieneempfehlungen ordnen Drainagen nicht als Routineprodukt ein. Die KRINKO empfiehlt, offene Drainagen wegen des erhöhten Infektionsrisikos nicht zu verwenden und eine erforderliche Drainage über eine separate Inzision statt durch die Operationswunde auszuleiten. Die KRINKO-Empfehlung zu postoperativen Infektionen macht damit deutlich, dass Einlageort, Systemwahl und Liegedauer Teil des Infektionsschutzes sind.
Eine Drainage ist dann gut begründet, wenn das Team ihren erwarteten Nutzen konkret benennen kann.
Die Evidenz für prophylaktische Wunddrainagen ist bei mehreren grossen Operationsgebieten begrenzt oder zeigt keinen gesicherten Vorteil gegenüber einem Verzicht. Das betrifft unter anderem Hernien-, Schilddrüsen-, kolorektale, Gallenblasen-, Leber- und Pankreaschirurgie. Fachbereichsspezifische Standards sind deshalb sinnvoller als die pauschale Regel, nach jeder Operation eine Drainage einzulegen.
Pflege und Beobachtung im Stationsalltag
Die pflegerische Kontrolle beginnt mit dem gesamten System, nicht mit der Skala am Auffangbehälter. Prüfe zuerst, ob der Schlauch spannungsfrei liegt, ob der Verband trocken und sicher ist und ob das Reservoir korrekt angeschlossen wurde. Danach vergleichst du die aktuelle Förderung mit den vorherigen Einträgen.
Der Rundgang folgt einer festen Reihenfolge
Fördermenge: Erfasse die Menge im vereinbarten Zeitraum und dokumentiere sie nachvollziehbar. Ein einzelner Wert ist weniger aussagekräftig als der Verlauf. Eine zunehmende Förderung, eine unerwartete Pause oder eine deutliche Veränderung nach Mobilisation gehört in die ärztliche Beurteilung.
Sekret: Beschreibe Farbe, Klarheit, Konsistenz und Beimengungen. Seröses, klares oder leicht blutig tingiertes Sekret kann im frühen Verlauf auftreten. Frisches Blut, trübes Sekret, eitrige Beimengungen, eine bräunliche Veränderung oder ein neu auftretender unangenehmer Geruch müssen gemeldet werden.
Einstichstelle: Achte auf Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerzen, Nässen und eine zunehmende Undichtigkeit. Eine kleine lokale Reizung ist anders zu bewerten als eine sich ausbreitende Rötung oder eine schmerzhafte Schwellung.
Sog und Durchgängigkeit: Bei einer Saugdrainage muss das Reservoir den vorgesehenen Unterdruck halten. Prüfe Verbindungen und Schlauchverlauf, ohne das System unnötig zu manipulieren. Eine Klemme oder ein Knick kann den Abfluss stoppen, obwohl im Operationsgebiet weiterhin Flüssigkeit entsteht.
Die KRINKO empfiehlt, Drainagen über eine separate Inzision und nicht durch die eigentliche Operationswunde auszuleiten. Geschlossene Systeme werden gegenüber offenen bevorzugt, weil sie die retrograde Kontamination reduzieren. Diese Vorgabe erklärt, warum der Verband an der Einstichstelle nicht bloss eine Formalität ist. Er schützt den Zugang und macht Leckagen oder Verschmutzungen sichtbar.

Mobilisation und Patientenerklärung
Bei der Mobilisation wird der Auffangbehälter so geführt, dass kein Zug auf der Drainage entsteht. Der Schlauch darf nicht unter dem Körper liegen oder an Bettgitter und Kleidung hängen. Beim Duschen gelten die Vorgaben des behandelnden Teams. Ein Verbandwechsel erfolgt hygienisch und nach lokalem Standard, nicht spontan aus Unsicherheit.
Patienten verstehen die Situation besser, wenn du konkret erklärst, was sie melden sollen: zunehmenden Schmerz, ein plötzliches Ziehen, einen nassen Verband, einen abgefallenen Behälter oder eine Veränderung der Flüssigkeit. Für eine vertiefte pflegerische Orientierung kann die Anleitung zur Wundversorgung für die Pflege als ergänzendes Informationsangebot dienen.
Kurzer Beobachtungsleitfaden
- Vorher vergleichen: Was wurde bei der letzten Kontrolle dokumentiert?
- System prüfen: Liegt der Schlauch frei, ist das Reservoir funktionsfähig, sind die Anschlüsse dicht?
- Sekret beschreiben: Menge, Farbe, Klarheit, Konsistenz und Geruch gehören zusammen.
- Wunde ansehen: Einstichstelle und Operationswunde getrennt beurteilen.
- Verlauf melden: Nicht nur Einzelwerte, sondern Trends und plötzliche Änderungen weitergeben.
Entscheidungskriterien für das Ziehen der Drainage
Die Frage „Wann wird die Drainage gezogen?“ lässt sich nicht mit einer universellen Tageszahl beantworten. Der richtige Zeitpunkt ergibt sich aus mehreren Informationen: Eingriff, Drainageart, Lage, Förderverlauf, Sekretqualität, klinischer Befund und ärztliche Beurteilung.
Als praktischer Hinweis kann eine sinkende Fördermenge dienen. Bei einer deutschen Befragung zu Drainagen nach Wirbelsäulenfusionen gaben 34,6 Prozent der Befragten eine Fördermenge von unter 50 ml innerhalb von 24 Stunden als konkretes Zugkriterium an; zugleich nannten 40,4 Prozent den ersten und 63,0 Prozent den zweiten postoperativen Tag als üblichen Zeitpunkt. 74,9 Prozent legten nach dieser Befragung fast immer eine Drainage ein. Die deutsche Befragung zu Drainagen nach Wirbelsäulenfusionen zeigt damit eine breite Anwendung bei gleichzeitig unterschiedlicher Entscheidungspraxis.
Die Zahlen sind kein allgemeiner Entfernungsstandard. Eine geringe Förderung kann auf eine tatsächliche Beruhigung des Operationsgebiets hinweisen, aber auch auf eine Okklusion. Entscheidend ist deshalb, ob die geringe Menge zum klinischen Verlauf passt und ob der Schlauch durchgängig ist.

Sechs Fragen vor der Entfernung
Wie entwickelt sich die Fördermenge? Ein sinkender Trend ist hilfreicher als ein isolierter Messwert. Das Team muss klären, ob das System funktioniert und ob noch eine relevante Flüssigkeitsproduktion zu erwarten ist.
Wie sieht das Sekret aus? Seröses Sekret spricht eher für einen ruhigen Verlauf als frisches Blut, eitrige Beimengungen oder eine auffällige Trübung. Die Qualität darf nicht von der Menge getrennt betrachtet werden.
Wie ist der klinische Befund? Fieber, zunehmender Schmerz, Schwellung, Druckgefühl oder eine auffällige Wunde können gegen das Ziehen sprechen. Eine unauffällige Einstichstelle allein reicht nicht aus.
Welche Operation wurde durchgeführt? Bei unterschiedlichen Eingriffen gelten unterschiedliche Risiken. Die Entscheidung muss zum Operationsgebiet und zur ursprünglichen Indikation passen.
Ist eine weitere Kontrolle erforderlich? Wenn eine Flüssigkeitsansammlung vermutet wird, kann eine ärztliche Untersuchung oder Bildgebung notwendig sein, bevor das System entfernt wird.
Wer ordnet die Entfernung an? Das Ziehen ist eine ärztliche Entscheidung. Pflegefachpersonen beobachten, bereiten vor und dokumentieren, entfernen die Drainage aber nach der geltenden Anordnung und Kompetenzregelung.
Nicht die längste Liegedauer bietet automatisch die grösste Sicherheit. Eine Drainage bleibt nur so lange liegen, wie ihr Nutzen die Risiken überwiegt.
Die deutsche Hygieneempfehlung weist darauf hin, dass das Infektionsrisiko mit Liegedauer und Anzahl der Drainagen steigt. Die Entfernung sollte deshalb möglichst früh erfolgen, sobald die medizinische Indikation entfällt. Eine Entscheidungshilfe zum Ziehen einer Redon-Drainage kann die praktische Vorbereitung unterstützen, ersetzt aber weder die ärztliche Anordnung noch die Beurteilung des individuellen Befunds.
Ambulante Dienste oder Arztpraxen können eine Drainage nur dann entfernen, wenn System, Eingriff, Anordnung und Nachsorgeplan dafür geeignet sind. Bei komplexer Lage, therapeutischer Ableitung, unklarer Fördermenge oder auffälligem Sekret gehört die Entscheidung in die chirurgisch zuständige Einrichtung.
Komplikationen erkennen und richtig eskalieren
Die ersten Kontrollen müssen besonders aufmerksam sein, weil sich eine Störung zunächst unscheinbar zeigen kann. Ein leerer Behälter ist nicht automatisch ein gutes Zeichen. Wenn die Förderung abrupt stoppt und gleichzeitig Schmerzen, Spannung oder eine Schwellung zunehmen, kann der Schlauch abgeknickt, verstopft oder verrutscht sein.
Warnzeichen am System und an der Wunde
- Dislokation: Der Schlauch liegt plötzlich anders, die Fixierung ist locker oder der Patient spürt ein scharfes Ziehen.
- Okklusion: Die Förderung bleibt aus, obwohl der klinische Befund eine Ansammlung vermuten lässt.
- Leckage: Sekret tritt an der Einstichstelle oder an einer Verbindung aus, statt in den Behälter zu laufen.
- Nachblutung: Frisches Blut, rasch zunehmende Förderung, Kreislaufveränderungen oder eine gespannte Schwellung erfordern sofortige ärztliche Kontrolle.
- Infektion: Zunehmende Rötung, Überwärmung, Schmerz, Schwellung, trübes oder eitriges Sekret und unangenehmer Geruch sind relevante Warnzeichen.
- Serom oder Hämatom: Eine neue lokale Vorwölbung oder Spannung kann trotz geringer Drainageförderung auf eine Flüssigkeitsansammlung hindeuten.
Die Pflege erkennt häufig die erste Veränderung. Sie sollte den Patienten nicht allein lassen, den Befund zeitnah erneut prüfen und die zuständige ärztliche Person mit einer klaren Beschreibung informieren. Dazu gehören Zeitpunkt, Fördermenge im Vergleich zum vorherigen Verlauf, Sekretveränderung, Vitalzeichen, Schmerz und Zustand der Einstichstelle. Ein unklarer Zustand verlangt keine improvisierte Manipulation am Schlauch.
Die KRINKO empfiehlt die tägliche Indikationsprüfung und eine möglichst frühe Entfernung, weil das Infektionsrisiko mit der Liegedauer und der Anzahl der Drainagen zunimmt. Die Hinweise zu möglichen Nachblutungen nach dem Ziehen einer Drainage können die Vorbereitung ergänzen, die konkrete Eskalation richtet sich jedoch nach Hausstandard und ärztlichem Befund.
Bei einer akuten Verschlechterung zählen Prioritäten: ärztliche Information, Kreislaufkontrolle, Wund- und Systemprüfung, Sicherung der Drainage und lückenlose Dokumentation. Eine Re-Operation oder ein Verfahrenswechsel wird nicht anhand eines einzelnen Sekretwerts entschieden, sondern anhand des Gesamtbilds und der weiteren Diagnostik.
Ein vertiefender visueller Eindruck zur Versorgung kann hier eingebettet werden:
Dokumentation, Übergabe und Schulung der Patienten
Eine sichere Drainageversorgung steht und fällt mit der Übergabe. Der nächste Mensch im Team muss nicht aus verstreuten Einträgen rekonstruieren, was angelegt wurde und worauf zu achten ist.
Der Mindeststandard in der Dokumentation
Dokumentiert werden sollten Drainagetyp und System, Einlagestelle, Sog oder passive Ableitung, Fördermenge, Sekretfarbe und -qualität, Zustand von Verband und Einstichstelle, Zeitpunkt der letzten Kontrolle sowie ärztliche Zugkriterien und Eskalationszeichen. Bei einer Veränderung gehört auch die Reaktion des Teams in den Eintrag.
Die Übergabe muss den Verlauf sichtbar machen. „Drainage unauffällig“ reicht dafür nicht aus. Aussagekräftiger ist: System durchgängig, Verband trocken, Einstichstelle ohne neue Rötung, Sekret im Vergleich zur vorherigen Kontrolle weniger und serös, ärztliche Beurteilung erfolgt.
Für geschlossene Saugdrainagen beschreibt die deutsche S1-Leitlinie eine ärztlich angeordnete Entfernung nach etwa 24 bis 48 Stunden, abhängig von Befund und Fördermenge. Diese Angabe ist kein Automatismus, sondern verknüpft den möglichen Zeitraum ausdrücklich mit der klinischen Beurteilung und der Fördermenge, wie das postoperative Wundmanagement der deutschen S1-Leitlinie zeigt.
Patienten verständlich anleiten
Vor der Entlassung sollte der Patient wissen, wo die Drainage liegt, wie der Behälter getragen wird und welche Veränderungen sofort gemeldet werden müssen. Dazu gehören zunehmender Schmerz, Fieber, eine neue Schwellung, frisches Blut, trübes oder übel riechendes Sekret, ein nasser Verband und ein verrutschter Schlauch. Ebenso wichtig ist die Information, wer tagsüber und ausserhalb der Sprechzeiten erreichbar ist.
Eine strukturierte Übergabe in der Pflege hilft, diese Angaben zwischen Station, Visite, ambulantem Dienst und Nachsorge konsistent weiterzugeben. So bleibt die Drainage von der Einlage bis zur Entfernung eine gemeinsam überwachte Therapie und kein isoliertes Zubehör des OP-Berichts.
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