Beitrag: Redon drainage ziehen

Die populärste Botschaft zum Thema Redon-Drainage ziehen lautet oft sinngemäß: Wenn die Drainage liegt, dann wird sie eben nach ein paar Tagen routiniert entfernt. Genau diese Selbstverständlichkeit sollte man hinterfragen. Denn die wichtigste fachliche Frage beginnt nicht beim Ziehen, sondern viel früher: Musste diese Drainage überhaupt gelegt werden?

Wer in der chirurgischen Praxis arbeitet, kennt das Spannungsfeld. Auf der einen Seite stehen eingespielte Stationsabläufe, operative Gewohnheiten und Sicherheitsbedürfnisse im Team. Auf der anderen Seite steht Evidenz, die manche Routinen deutlich kritischer bewertet, als es der Alltag vermuten lässt. Gute Praxis heisst deshalb nicht, Gewohnheiten blind zu perfektionieren. Gute Praxis heisst, die Routine zu beherrschen und sie gleichzeitig fachlich zu prüfen.

Inhaltsverzeichnis

Redon-Drainage ziehen zwischen Routine und Evidenz

Das Ziehen einer Redon-Drainage gehört in vielen chirurgischen Bereichen zum Alltag. Gerade deshalb wird es leicht als rein technische Aufgabe missverstanden. Das wäre zu kurz gedacht. Wer eine Drainage entfernt, arbeitet an der Schnittstelle von operativer Entscheidung, pflegerischer Beobachtung, Infektionsprävention und Patientenkomfort.

Dabei lohnt sich der kritische Blick auf die Grundannahme. In der deutschen Praxis sind Redon-Drainagen weit verbreitet. Gleichzeitig wird ihre Anwendung gerade nach aseptischen Operationen fachlich deutlich hinterfragt. In einem Thieme-Beitrag wird darauf verwiesen, dass Experten wie Prof. Edmund Neugebauer betonen, Drainagen brauche man nach aseptischen Operationen „in der Regel alles nicht mehr“, gestützt durch EbM Level 1a/1b mit der Empfehlung „Gar keine Drainage“. Der Widerspruch zur breiten Routine bleibt deutlich sichtbar, wie im Beitrag zur evidenzbasierten Drainagenkritik beschrieben.

Routine ist kein Qualitätsmerkmal

Routine schafft Tempo. Routine schafft aber nicht automatisch Qualität. Wer Redon-Drainagen nur deshalb als gesetzt betrachtet, weil sie „schon immer“ zum postoperativen Standard gehörten, blendet eine zentrale professionelle Aufgabe aus: Indikationen kritisch mitzudenken.

Das ist kein Angriff auf chirurgische Realität. Es ist eine nüchterne Einordnung. In vielen Teams werden Drainagen weiterhin gelegt, also müssen sie auch sicher, sauber und patientenzentriert entfernt werden. Trotzdem bleibt der fachlich bessere Ausgangspunkt, jede Drainage als begründungspflichtige Massnahme zu sehen, nicht als Reflex.

Gute Fachpraxis beginnt nicht beim Handgriff, sondern bei der Frage, ob der Handgriff überhaupt notwendig geworden ist.

Zwischen Leitlinie und Stationsalltag

Im Stationsalltag arbeiten neue Kolleginnen und Kollegen oft in bestehenden Standards. Sie übernehmen Patienten mit Drainagen, nicht theoretische Debatten. Genau dort braucht es klinisches Urteilsvermögen. Wer professionell arbeitet, kann zwei Dinge gleichzeitig tun: den bestehenden Auftrag korrekt ausführen und die eigene Praxis weiterentwickeln.

Hilfreich ist dabei auch der Blick auf das grössere postoperative Management, etwa bei Drainagen nach Operationen im klinischen Kontext. Denn das Ziehen ist nie ein isolierter Einzelakt. Es ist das Ende einer Kette aus Indikationsstellung, Beobachtung, Dokumentation und Nachsorge.

Diese Haltung verändert die Qualität des Vorgehens. Die Frage lautet dann nicht mehr nur: „Wie ziehe ich eine Redon-Drainage?“ Die bessere Frage lautet: Wann ist das Ziehen sinnvoll, wie mache ich es sicher und was spricht vielleicht schon früher gegen die Routine selbst?

Der richtige Zeitpunkt und die perfekte Vorbereitung

Beim Redon-Drainage ziehen entscheidet die Vorbereitung oft darüber, ob der Ablauf ruhig und kontrolliert verläuft oder ob aus einer kleinen Massnahme eine unnötig belastende Situation wird. Der richtige Zeitpunkt ist dabei kein Bauchgefühl. Er orientiert sich an klaren klinischen Kriterien.

Wann die Entfernung wirklich sinnvoll ist

Redon-Drainagen werden in der Regel nach 48 bis 72 Stunden entfernt, sobald die Sekretmenge auf unter 30 bis 50 ml pro 24 Stunden sinkt und das Sekret serös wird. Diese Richtwerte sind in der chirurgischen Standardpraxis etabliert. Zudem wird dort beschrieben, dass die Entfernung bei noch aktivem Sog als Lehrmeinung vertreten wird, um das Eindringen von Keimen zu verhindern, wie in der Beschreibung der Redon-Drainage und ihrer Entfernungskriterien zusammengefasst ist.

Das allein ersetzt aber keine klinische Beurteilung. Vor dem Entfernen müssen immer drei Fragen beantwortet sein:

  • Passt die Fördermenge? Ein einzelner Blick auf den letzten Messwert reicht nicht. Entscheidend ist der Verlauf.
  • Wie sieht das Sekret aus? Serös ist ein anderes Signal als frisch blutig oder trüb.
  • Wie wirkt die Wunde insgesamt? Rötung, Spannung, Schwellung oder lokaler Schmerz ändern die Entscheidung.

Infografik zur Vorbereitung auf das Ziehen einer Redon-Drainage mit fünf wesentlichen Schritten für medizinisches Fachpersonal.

Vorbereitung als Sicherheitsroutine

Ich rate neuen Kolleginnen und Kollegen dazu, die Vorbereitung nicht „nebenbei“ zu machen. Wer Material erst zusammensucht, wenn der Patient schon angespannt im Bett liegt, verliert Ruhe. Wer vorher sauber plant, gewinnt Kontrolle.

Eine praxistaugliche Checkliste:

  • Material vollständig bereitlegen. Sterile Handschuhe, sterile Kompressen, Hautantiseptikum nach Hausstandard, Nahtentfernungsmaterial falls vorhanden, Abwurf, steriler Verband, Fixiermaterial, Dokumentationsmöglichkeit.
  • Patient passend lagern. Die Einstichstelle muss gut einsehbar sein, ohne Zug auf den Schlauch und ohne Verdrehen des Körpers.
  • Schmerzlage einschätzen. Nicht jeder Patient braucht vorab Medikation. Aber jeder Patient braucht eine bewusste Einschätzung.
  • Drainageverlauf kontrollieren. Vor dem Ziehen kurz prüfen, ob der Schlauch frei liegt, ob Fixierungen sichtbar sind und ob eine unerwartete Spannung erkennbar ist.

Eine gute Vorbereitung umfasst auch Kommunikation. Viele Patienten fürchten weniger den eigentlichen Vorgang als den Kontrollverlust. Eine kurze, klare Ansage hilft mehr als lange Erklärungen.

Praxisregel: Sagen Sie vor dem Beginn in einfachen Worten, was jetzt passiert, was der Patient spüren kann und was er tun soll, zum Beispiel ruhig atmen und eine plötzliche Bewegung vermeiden.

Hilfreich für das gesamte Setting sind auch Inhalte zur postoperativen Pflege im klinischen Alltag. Denn Drainagen werden nie losgelöst vom restlichen Wundmanagement beurteilt.

Was ich dem Patienten konkret sage

Bewährt hat sich eine knappe Formulierung wie diese:

Situation Sinnvolle Formulierung
Vorbereitung „Ich schaue mir zuerst die Stelle genau an und bereite alles steril vor.“
Schmerzansprache „Es kann kurz ziehen oder brennen. Wenn etwas stärker weh tut, sagen Sie sofort Bescheid.“
Mitarbeit „Bitte bleiben Sie möglichst ruhig liegen und atmen Sie gleich einmal bewusst aus, wenn ich beginne.“

Diese Sätze wirken schlicht. Gerade deshalb funktionieren sie. Sie geben Orientierung, ohne zu dramatisieren.

Die Technik des Ziehens sicher beherrschen

Technisch sauber zu arbeiten heisst beim Redon-Drainage ziehen nicht, besonders schnell zu sein. Es heisst, in einer klaren Reihenfolge zu handeln, die Asepsis zu sichern, Risiken zu erkennen und den Patienten durch einen kurzen, aber potenziell unangenehmen Moment kontrolliert zu begleiten.

Eine Infografik erklärt die fünf Schritte zum sicheren Ziehen einer Wunddrainage in einer medizinischen Umgebung.

Asepsis beginnt vor dem ersten Griff

Bevor überhaupt an Zug gedacht wird, muss die Einstichstelle sichtbar, zugänglich und hygienisch sicher vorbereitet sein. Händedesinfektion, sterile Arbeitsweise und eine konzentrierte Inspektion der Drainageeintrittsstelle sind keine Formalitäten. Sie entscheiden mit darüber, ob kleine Warnzeichen rechtzeitig erkannt werden.

Besonders wichtig ist der Blick auf:

  • Einstichstelle und Umgebung. Gibt es Rötung, Sekret, Mazeration oder eine schmerzhafte Verhärtung?
  • Fixierung. Ist die Drainage noch mit einer Naht gesichert oder nur mit Pflaster?
  • Schlauchverlauf. Liegt er frei oder gibt es Verdrehungen, Knicke oder Zug unter dem Verband?

Wer invasive Tätigkeiten sicher beherrscht, profitiert oft von denselben Grundprinzipien in anderen Bereichen. Die Logik aus dem sicheren Legen eines Blasenkatheters passt hier erstaunlich gut: Vorbereitung, sterile Disziplin, ruhige Kommunikation und konsequente Nachkontrolle.

Sogmanagement mit klarem Sicherheitsfokus

Hier wird es spannend, weil genau an diesem Punkt unterschiedliche Lehrmeinungen kursieren. Ältere oder lokal geprägte Routinen lassen den Sog teils bestehen. Neuere Hinweise betonen dagegen die Bedeutung, den Sog vor dem Zug aufzuheben.

Für die Praxis braucht es eine klare Linie. Wenn die hausinterne Anordnung oder der chirurgische Standard nichts anderes vorgibt, sollte das Team die aktuelle Sicherheitslogik kennen und bewusst anwenden. Der Grund ist nicht akademisch, sondern praktisch: Der Umgang mit dem Sog beeinflusst Infektionsschutz, Gewebebelastung und das Management seltener, aber relevanter Risiken.

Ein sicheres Vorgehen orientiert sich an folgenden Punkten:

  1. Fixierung vollständig lösen
    Vor jedem Zug muss geprüft werden, ob wirklich alle Haltenähte oder Klebefixierungen entfernt sind. Ein scheinbar „festsitzender“ Schlauch ist oft schlicht noch fixiert.

  2. Sogzustand bewusst managen
    Nicht automatisch so arbeiten, wie es „immer gemacht wurde“, sondern nach aktuellem Standard der eigenen Einrichtung. Wenn der Sog aufgehoben werden soll, dann kontrolliert und vor dem eigentlichen Zug.

  3. Patient vorbereiten
    Den Moment des Ziehens ankündigen. Ein kurzes Ausatmen oder bewusstes Entspannen hilft, Gegenspannung zu reduzieren.

Später im Artikel geht es um Komplikationen. Hier reicht der Merksatz: Nie an Widerstand „vorbeiziehen“ wollen.

Zur Veranschaulichung des Ablaufs kann dieses Video hilfreich sein:

Zugtechnik ohne Hast

Die eigentliche Entfernung sollte als kontinuierliche, sanfte und entschlossene Bewegung erfolgen. Nicht zögerlich millimeterweise, aber auch nicht ruckartig. Die freie Hand stabilisiert die Haut nahe der Austrittsstelle. Das reduziert Zug auf das umliegende Gewebe und gibt dem Patienten ein sichereres Gefühl.

Ein praxistauglicher Ablauf sieht so aus:

Phase Worauf achten
Haut stabilisieren Mit steriler Kompresse oder freier Hand die Umgebung sanft fixieren
Schlauch fassen Nah an der Haut, nicht weit distal am Schlauchende
Kontinuierlich ziehen Ruhiger, gleichmässiger Zug statt mehrerer kleiner Rucke
Direkt versorgen Nach Entfernung sofort Einstichstelle beurteilen und steril abdecken

Wenn die Drainage frei läuft und die Fixierung gelöst ist, gleitet sie meist kontrolliert heraus. Hektik macht den Vorgang nicht schneller, sondern unpräziser.

Nach dem Ziehen folgt sofort die Sichtkontrolle. Ist die Drainage vollständig? Wirkt die Spitze intakt? Wie sieht die Einstichstelle aus? Erst dann wird die Wunde fachgerecht versorgt. Danach beobachtet man den Patienten noch kurz auf Kreislaufreaktion, Schmerzspitze oder Nachsickern.

Mehr als nur ein kurzer Ruck Schmerz effektiv lindern

Viele Fachkräfte unterschätzen nicht die Technik, sondern den emotionalen Anteil. Genau dort entstehen oft unnötige Probleme. Der Patient spannt an, zieht reflexhaft zurück oder steigert sich in eine Erwartungsangst hinein. Das Redon-Drainage ziehen wird dann nicht wegen des Schlauchs schwierig, sondern wegen der Situation.

Was Patienten vor dem Ziehen wirklich brauchen

Eine Studie mit 200 Patienten zeigte, dass Redon-Drainagen mit erhöhtem Schmerz beim Ziehen verbunden sind. Das macht ein vorausschauendes Schmerzmanagement nicht optional, sondern fachlich geboten, wie im Thieme-Abstract zur Studie über subkutane Redon-Drainagen dargestellt.

Eine freundliche Pflegekraft tröstet eine ältere Patientin, die in einem Krankenhausbett liegt und sanft angelächelt wird.

In der Praxis beginnt Schmerzreduktion deshalb nicht mit dem Zug, sondern mit dem Auftreten der Fachkraft. Eine ruhige Stimme, ein kurzer Blickkontakt und klare Ansagen senken die Anspannung oft besser als hektische Beschwichtigungen.

Ein typisches Beispiel aus dem Alltag: Der Patient sagt, er habe „Angst vor dem Rausziehen“. Die ungünstige Reaktion wäre ein schnelles „Das tut kaum weh“. Das nimmt die Sorge nicht ernst. Besser ist: „Es kann kurz unangenehm sein. Ich sage Ihnen genau, wann es losgeht, und wir machen das ruhig zusammen.“

Schmerzmanagement ist Teamarbeit

Nicht jeder braucht dieselbe Unterstützung. Manche Patienten möchten wissen, was sie erwartet. Andere möchten möglichst wenig Details. Entscheidend ist, das eigene Vorgehen an den Menschen anzupassen.

Sinnvolle Massnahmen vor und während des Ziehens:

  • Analgesie mitdenken. Wenn ärztlich angeordnet oder klinisch passend, sollte eine verordnete Schmerzmedikation rechtzeitig vor dem Eingriff berücksichtigt werden.
  • Atmung nutzen. Bewusstes Ausatmen im Moment des Ziehens kann die Körperspannung senken.
  • Aufmerksamkeit lenken. Ein kurzer verbaler Fokus, etwa auf das Ausatmen oder auf einen festen Blickpunkt, hilft oft mehr als Small Talk.
  • Tempo kontrollieren. Ein ruhiger, flüssiger Zug ist für Patienten meist besser tolerierbar als zögerndes Herantasten.

Wer patientensicher arbeitet, denkt dabei immer auch an Arzneimittelsicherheit im klinischen Alltag. Gerade auf Station darf Analgesie nicht aus dem Bauch heraus improvisiert werden.

Der Patient erinnert sich selten an jede technische Einzelheit. Er erinnert sich sehr genau daran, ob er sich ausgeliefert oder gut begleitet gefühlt hat.

Nach dem Ziehen ist vor der Übergabe

Die Drainage ist draussen. Genau hier passieren im Alltag die meisten Nachlässigkeiten. Das Pflaster sitzt, der Moment scheint vorbei, und der Rest wird schnell „noch dokumentiert“. Professionell ist das nicht. Nach dem Redon-Drainage ziehen beginnt die Phase, in der Beobachtung, Dokumentation und Übergabe den eigentlichen Sicherheitsgewinn bringen.

Eine Infografik zur Nachsorge und möglichen Komplikationen nach dem Ziehen einer Wunddrainage in einer medizinischen Umgebung.

Dokumentation mit klinischem Blick

Dokumentiert wird nicht nur, dass gezogen wurde, sondern wie die Situation war. Eine saubere Dokumentation dient nicht der Bürokratie, sondern der Nachvollziehbarkeit für alle, die den Patienten weiter betreuen.

In die Akte gehören mindestens:

  • Zeitpunkt der Entfernung. Möglichst konkret und zeitnah eingetragen.
  • Beurteilung der Einstichstelle. Unauffällig, gerötet, nässend, blutend, druckschmerzhaft.
  • Beschaffenheit vor Entfernung. Relevante Beobachtungen zum Sekret und zur lokalen Situation.
  • Verlauf des Ziehens. Problemlos, schmerzhaft, mit Widerstand abgebrochen, ärztlich informiert.
  • Versorgung danach. Welcher Verband, welche Beobachtungsanordnung, welche Hinweise an Patient und Team.

Für viele Teams lohnt sich ein Blick auf gute Standards der Dokumentation in der Pflege mit Beispielen. Gerade bei kleinen Eingriffen zeigt sich oft, wie gross der Unterschied zwischen „notiert“ und wirklich aussagekräftig ist.

Wenn-Dann-Situationen im Alltag

Klinische Sicherheit entsteht aus klaren Reaktionen auf Abweichungen. Hier sind die Situationen, die man nicht improvisieren sollte.

Wenn Dann
Unerwarteter Widerstand beim Ziehen Sofort stoppen. Nicht nachfassen und nicht stärker ziehen. Ärztlich informieren.
Frische Blutung aus der Austrittsstelle Lokal komprimieren, Wunde beurteilen, Ausmass beobachten und je nach Standard eskalieren.
Patient entwickelt starke Schmerzen oder Schwindel Unterbrechen, lagern, überwachen und klinisch neu einschätzen.
Drainage wirkt unvollständig oder beschädigt Sofort ärztlich rückmelden und Material nicht verwerfen, bevor die Situation geklärt ist.

Hier gilt eine Sicherheitsregel ohne Ausnahme: Bei unerwartetem Widerstand muss der Versuch sofort abgebrochen und der Arzt informiert werden. Die Uniklinik Tübingen fasst das prägnant als „Niemals mit Gewalt ziehen!“ zusammen. Zudem wird in neueren S3-Hinweisen das Aufheben des Sogs vor dem Zug als wichtiger Punkt zur Vermeidung von Luftembolien betont, wie im Beitrag zum sicheren Redon-Drainage-Ziehen mit Warnhinweisen erläutert wird.

Wichtiger Sicherheitsaspekt: Gewalt ist beim Drainageziehen kein Zeichen von Entschlossenheit, sondern ein Fehler.

Übergabe ohne Informationsverlust

Nachsorge endet nicht beim Verband. Wer die nächste Schicht oder den ärztlichen Dienst informiert, sollte nicht nur sagen „Drainage gezogen“. Diese Minimalübergabe ist fast wertlos.

Eine gute Übergabe benennt:

  • den Zeitpunkt der Entfernung,
  • die lokale Wundsituation danach,
  • die Schmerzreaktion des Patienten,
  • ob Nachblutung oder Nachsickern beobachtet wurden,
  • und worauf als Nächstes geachtet werden soll.

Ein Satz wie „Redon um 10:15 entfernt, Austrittsstelle trocken, Patient kurz schmerzhaft reagiert, jetzt stabil, Verband bitte auf Nachsickern kontrollieren“ ist klinisch brauchbar. Genau so bleibt Versorgung kontinuierlich.

Ihre Expertise macht den Unterschied

Das Ziehen einer Redon-Drainage ist keine Nebentätigkeit. Es ist ein verdichteter Moment professioneller Praxis. In wenigen Minuten treffen Beobachtung, Technik, Kommunikation, Schmerzmanagement und Sicherheitsdenken aufeinander.

Die beste Fachkraft erkennt man nicht daran, dass sie den Schlauch möglichst schnell entfernt. Man erkennt sie daran, dass sie vor dem Ziehen die Indikation mitdenkt, den Patienten vorbereitet, den Ablauf sauber steuert und bei Abweichungen konsequent stoppt. Diese Haltung schützt Patienten. Sie entlastet Teams. Und sie verbessert den klinischen Alltag weit über diese einzelne Massnahme hinaus.

Fachlichkeit zeigt sich im Urteil

Technik kann man lernen. Urteilsvermögen muss man aktiv entwickeln. Gerade deshalb ist der kritische Blick auf Routinen so wichtig. Wenn Leitlinien und Evidenz bei aseptischen Operationen häufig gegen Drainagen argumentieren, darf man das nicht ignorieren. Und wenn eine Drainage dennoch liegt, dann verdient der Patient die bestmögliche Durchführung, nicht bloss eine gewohnte.

Wer so arbeitet, bringt beides zusammen: praktische Meisterschaft und wissenschaftliche Redlichkeit.

Gute Versorgung bleibt menschlich

Am Ende bleibt ein einfacher Satz wahr: Der Patient erlebt nicht „den Standardprozess“. Er erlebt eine konkrete Fachkraft in einem konkreten Moment. Ihre Ruhe, Ihre Präzision und Ihre Entscheidungskraft machen den Unterschied zwischen einer belastenden Erfahrung und einer gut begleiteten Versorgung.

In Zeiten knapper Ressourcen wird das noch bedeutsamer. Klinische Qualität hängt nicht nur von Standards auf Papier ab. Sie hängt an qualifizierten Menschen, die Standards verstehen, anwenden und bei Bedarf auch hinterfragen.


Wenn Sie für Ihre Einrichtung qualifizierte Fachkräfte in Medizin, Pflege oder Pädagogik suchen oder selbst den nächsten professionellen Schritt planen, lohnt sich ein Blick auf Dexter Life Science. Dort treffen belastbare Personallösungen auf fachliche Qualität, planbare Verfügbarkeit und ein Verständnis für den Alltag, in dem gute Versorgung tatsächlich stattfindet.