Am frühen Morgen nach einer Schilddrüsen- oder Brustoperation kontrollieren Sie die Drainage. In der Flasche sammelt sich nur wenig Sekret, gleichzeitig beschreibt die Patientin ein deutliches Ziehen am Wundgebiet. Der Stationsarzt ordnet an, den Unterdruck abzuschalten und die Drainage ohne Sog weiterzuführen. Sofort entstehen praktische Fragen: Läuft das Sekret dann noch zuverlässig ab? Muss der Auffangbehälter anders hängen? Und ist eine Redon-Drainage ohne Sog dasselbe wie eine passive Schwerkraftdrainage?
Die Antwort hängt nicht allein von der Flasche ab. Entscheidend sind Wundgröße, Gewebequalität, erwartete Sekretmenge, Blutungsrisiko und die konkrete Konstruktion des Systems. Eine Wunde kann auch ohne aktives Vakuum Flüssigkeit ableiten, wenn das Sekret entlang eines Gefälles abfließen kann und die Drainageschlitze frei liegen. Das Prinzip einer Drainage und ihre Funktion im Körper beschreibt auch die Übersicht zur postoperativen Wunddrainage verständlich.
Inhaltsverzeichnis
- Wenn der Sog fehlt und die Wunde trotzdem heilen soll
- So funktioniert eine Redon-Drainage mit und ohne Unterdruck
- Drei Drainageprinzipien im direkten Vergleich
- Klinische Szenarien, in denen auf den Sog verzichtet wird
- Pflege und Überwachung einer soghaltigen und soglosen Redon
- Komplikationen erkennen und richtig reagieren
- Kriterien für die sichere Entfernung der Drainage
- Evidenz, Leitlinien und Entscheidungshilfen für die Praxis
Wenn der Sog fehlt und die Wunde trotzdem heilen soll
Eine Redon-Drainage ohne Sog ist keine automatisch fehlerhafte oder unvollständige Drainage. Sie kann eine bewusst gewählte Zwischenlösung sein, wenn der aktive Unterdruck für die erwartete Wundsekretmenge nicht notwendig ist oder Beschwerden verursacht. Das gilt allerdings nicht für jede Wunde und nicht für jedes Drainagesystem.
Was in der Wunde passiert
Nach einer Operation können sich Blut, Lymphflüssigkeit und seröses Wundsekret in einer Wundhöhle sammeln. Eine Drainage schafft einen kontrollierten Abflussweg. Bei ausgeschaltetem Vakuum unterstützen vor allem Schwerkraft, Kapillarwirkung und der hydrostatische Druckgradient den Transport. Das funktioniert am ehesten, wenn die Wundhöhle klein ist, die Gewebeschichten gut aneinanderliegen und der Auffangbehälter unterhalb des Wundniveaus positioniert wird.
Der Sog einer klassischen Redon-Drainage zieht Flüssigkeit aktiv aus dem Operationsgebiet. Diese Kraft kann jedoch nicht nur Sekret erfassen. In Weichteilwunden kann die hohe Sogleistung auch Gewebe und Blut ansaugen, wodurch die Fördermenge unter Umständen größer ausfällt. Eine deutschsprachige Fachübersicht beschreibt passive Schwerkraftdrainagen deshalb als ebenso effektive Möglichkeit der Sekretableitung und berichtet zugleich über stärkere Schmerzen beim Entfernen von Redon-Drainagen im Vergleich zu soglosen Drainagen. Die fachliche Übersicht zur Wunddrainage ordnet außerdem eine Liegedauer von bis zu 72 Stunden ohne erhöhte Infektionsrate ein.
Praktische Regel: Ohne Sog funktioniert eine Drainage nur dann zuverlässig, wenn das System frei durchgängig ist und der Auffangbehälter korrekt unterhalb der Wunde liegt.
Die Entscheidung ist deshalb eine chirurgische Abwägung. Der Operateur möchte einerseits Flüssigkeit aus der Wunde ableiten und Toträume kontrollieren. Andererseits sollen Lymphbahnen, kleine Venen, Nerven und empfindliche Wundflächen möglichst wenig mechanisch belastet werden. Für Pflegende bedeutet das: Der fehlende Sog ist nicht isoliert zu bewerten. Das klinische Bild der Wunde und der Verlauf der Fördermenge sind wichtiger als die bloße Tatsache, dass die Vakuumanzeige nicht mehr aktiv ist.
So funktioniert eine Redon-Drainage mit und ohne Unterdruck
Die klassische Redon-Drainage ist ein geschlossenes Wunddrainagesystem. Ein perforierter Schlauch liegt mit seinen seitlichen Öffnungen im Operationsgebiet. Sein äußeres Ende ist mit einem Auffangsystem verbunden, das Unterdruck erzeugt. In deutschsprachigen Fachquellen wird die Redon als Saugdrainage beschrieben, die unter anderem subkutan, subfaszial oder intraartikulär eingesetzt wird. Die Beschreibung des geschlossenen Systems und seiner Anwendung findet sich auch im urologischen Lehrbuch zur Robinson-Drainage.
Mit aktivem Unterdruck
Bei aktiviertem Vakuum entsteht ein Druckunterschied zwischen der Wunde und dem Auffangbehälter. Blut und Serom werden dadurch aktiv aus der Wundhöhle transportiert. Der Unterdruck kann Gewebeflächen aneinanderführen und Toträume verkleinern, in denen sich Flüssigkeit sammeln könnte.
Die Stärke des Vakuums ist vom verwendeten Behälter und Produkt abhängig. In einer deutschen Produktbeschreibung wird eine klassische Redon-Drainage für Sog bis 900 mbar angegeben, während Fachquellen das Redon-Prinzip als geschlossenes System mit Unterdruck einordnen. Die Produktbeschreibung der Redon-Drainage macht zugleich deutlich, warum die Bezeichnung allein nicht genügt. Nicht jeder Schlauch, der umgangssprachlich „Redon“ genannt wird, ist für denselben Betriebsmodus vorgesehen.
Ohne aktiven Unterdruck
Wird das Vakuum deaktiviert, fällt die aktive Saugkraft weg. Das Sekret kann dann passiv über das Gefälle in den Auffangbehälter laufen. Voraussetzung ist, dass der Schlauch nicht geknickt oder verlegt ist, die Drainageöffnungen nicht an Gewebe anliegen und der Behälter tiefer als die Wunde hängt.

Ohne Sog wirkt weniger Zug auf kleine Gefäße und Lymphbahnen. Das kann das Ziehen und die Schmerzen beim späteren Entfernen reduzieren. Gleichzeitig werden die Wundflächen nicht aktiv adaptiert, und Flüssigkeit wird nur so schnell abgeleitet, wie es Schwerkraft und Kapillarkräfte erlauben.
Redon ohne Sog ist nicht automatisch ein passives System
Eine klassische Redon-Flasche kann je nach Ausführung mit deaktiviertem Vakuum weiterverwendet werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie konstruktiv dasselbe leistet wie ein eigens entwickeltes Schwerkraftsystem, etwa eine Silikon- oder Easy-Flow-Drainage. Vor der Umstellung müssen Produktfreigabe, ärztliche Anordnung und hausinterne Standards geprüft werden. Besonders wichtig ist, dass beim passiven Betrieb kein Rückfluss in die Wunde entsteht.
Drei Drainageprinzipien im direkten Vergleich
Im klinischen Alltag werden drei Situationen häufig miteinander vermischt: die klassische Redon mit aktiviertem Unterdruck, eine Redon mit deaktiviertem Vakuum und ein echtes passives Schwerkraftsystem. Sie unterscheiden sich nicht nur durch die Sogstärke, sondern auch durch das Verhalten im Gewebe und die Anforderungen an die Pflege.
| Merkmal | Redon mit Sog | Redon ohne Sog | Passive Schwerkraftdrainage |
|---|---|---|---|
| Sogstärke | Aktiver Unterdruck | Kein aktiver Unterdruck | Kein aktiver Unterdruck |
| Sekretableitung | Aktiver Transport aus der Wunde | Passiver Transport über Gefälle und Kapillarwirkung | Passiver Transport über Gefälle und Systemkonstruktion |
| Gewebebelastung | Kann bei hoher Sogleistung Gewebe und Blut ansaugen | Geringere Sogbelastung | Keine aktive Sogbelastung |
| Patientenschmerz | Ziehen und Entfernung können stärker schmerzhaft sein | Entfernung wird häufig als schonender empfunden | Entfernung kann ebenfalls schonender sein |
| Typische Überlegung | Größere Wundhöhle, relevante Sekret- oder Blutungsgefahr | Bekannte Redon-Handhabung bei moderater Fördermenge | Kleine, oberflächliche Wunde mit geringer Sekretlast |
| Vorteil | Kontrollierte aktive Ableitung und mögliche Verkleinerung von Toträumen | Vertrautes Material bei reduzierter Sogwirkung | Für den passiven Betrieb ausgelegt |
| Nachteil | Potenziell höhere Gewebebelastung und Schmerzen | Nicht jedes Redon-System ist für diesen Betrieb vorgesehen | Rückflussrisiko bei falscher Behälterposition |
| Beispiele | Ausgedehnte Weichteil- oder Gelenkeingriffe | Ausgewählte Schilddrüsen- oder Brustoperationen | Oberflächliche Wunden mit geringer Sekretmenge |
Eine Übersicht zu Drainagen mit Sog hilft dabei, den aktiven Unterdruck nicht mit der Drainage als solcher gleichzusetzen. Die Drainage ist der Abflussweg. Der Sog ist nur ein mögliches Funktionsprinzip.
Für große Wundhöhlen oder ein erhöhtes Risiko für Nachblutung bleibt aktiver Unterdruck eine wichtige Option. Bei kleinen, gut adaptierten Wundflächen kann ein passives Verfahren ausreichen. Die Redon ohne Sog liegt dazwischen, weil das Team das vertraute Schlauchsystem weiter überwacht und dokumentiert, während die mechanische Belastung durch Vakuum entfällt.
Klinische Szenarien, in denen auf den Sog verzichtet wird
Ob der Unterdruck abgeschaltet wird, entscheidet der Operateur anhand der intraoperativen Situation. Ein kleiner Eingriff mit gut anliegenden Gewebeschichten stellt andere Anforderungen als eine ausgedehnte Präparation mit großer Wundhöhle. Auch die Qualität des Gewebes und die erwartete Sekretmenge spielen eine Rolle.
Typische Operationsgebiete
Bei kleinen Schilddrüsen- oder Nebenschilddrüsenoperationen kann eine Drainage ohne aktiven Unterdruck erwogen werden, wenn die Wundhöhle überschaubar ist und kein relevantes Blutungsrisiko besteht. Auch bei brusterhaltenden Eingriffen oder einer axillären Lymphknotendissektion kann die passive Ableitung in ausgewählten Fällen sinnvoll erscheinen. Oberflächliche Weichteileingriffe, kleinere Hernienoperationen und kleine orthopädische Eingriffe gehören ebenfalls zu den Situationen, in denen das Team den Sog kritisch prüfen kann.
Eine prospektiv randomisierte Studie aus der Schilddrüsenchirurgie verglich 80 Patientinnen und Patienten, jeweils 40 mit sogloser Drainage und 40 mit Hochvakuum-Redon. Die soglose Gruppe zeigte eine mediane Drainagemenge von 34 ml, die Soggruppe 115 ml. Das im Ultraschall gemessene Resthämatom war ähnlich, mit 4,4 ml gegenüber 5,3 ml. Die Studie berichtete keine Komplikationen und kam zu dem Schluss, dass die soglose Drainage eine vergleichbare Wirksamkeit bei geringeren Schmerzen beim Ziehen bieten kann. Die Studienzusammenfassung zur soglosen Drainage beschreibt diese Ergebnisse im klinischen Zusammenhang.
| Eingriff | Typische Drainlage | Begründung für Sogverzicht |
|---|---|---|
| Kleine Schilddrüsenoperation | Oberflächliche Halswunde | Kleine Wundhöhle und meist moderate Sekretlast |
| Nebenschilddrüsenoperation | Lokal im Operationsgebiet | Passiver Abfluss kann bei gut adaptierten Schichten genügen |
| Brusterhaltender Eingriff | Brust oder nahes Operationsgebiet | Schonung empfindlicher Weichteile und weniger Zuggefühl |
| Axilläre Lymphknotendissektion | Axilla | Lymphabfluss beobachten, Sog individuell abwägen |
| Oberflächliche Weichteilchirurgie | Subkutan | Geringe Tiefe und überschaubares Totraumrisiko |
| Kleine Hernienoperation | Wundbereich der Bauchdecke | Entscheidung abhängig von Präparation und Sekretprognose |
| Kleiner orthopädischer Eingriff | Gelenknah oder subkutan | Nur bei geringer Wundfläche und sicherer Blutstillung |
Die Evidenz erlaubt keine pauschale Regel für alle Operationsgebiete. Eine systematische Übersicht berichtet, dass Saugdrainagen bei 200 Patientinnen und Patienten keine statistisch signifikant höhere Sekretabflussmenge, keine geringere Resthämatombildung und keine geringere Komplikationsrate zeigten. Die systematische Übersicht in Die Chirurgie stützt damit eine differenzierte Entscheidung statt eines generellen Vorrangs für Sog.
Pflege und Überwachung einer soghaltigen und soglosen Redon
Die Pflege beginnt mit einer einfachen, aber entscheidenden Frage: Welcher Betriebsmodus ist angeordnet? Bei einer Redon mit Sog muss die Unterdruckfunktion erhalten bleiben. Bei einer Redon ohne Sog darf das Team den Unterdruck nicht versehentlich wiederherstellen, und der Auffangbehälter muss für den passiven Abfluss korrekt positioniert sein.
Sichere Positionierung
Der Behälter hängt bei deaktiviertem Sog unterhalb des Patientenniveaus beziehungsweise unterhalb der Wunde. Dadurch unterstützt der hydrostatische Druckgradient den Abfluss und ein Rückfluss wird vermieden. Der Schlauch wird so fixiert, dass er weder unter Spannung steht noch unter dem Körper liegt. Ein Knick kann die Förderung stoppen, obwohl die Drainage selbst korrekt liegt.
Beim Wechsel des Auffangsystems gelten die hausinternen Sicherheits- und Hygienestandards. Vor und nach jedem Kontakt erfolgt Händehygiene. Das System wird nur so weit geöffnet, wie es die Versorgung erfordert, und die Verbindung wird anschließend dicht und sicher hergestellt.
Was Sie beobachten und dokumentieren
In der frühen postoperativen Phase kontrolliert das Pflegepersonal die Fördermenge engmaschig nach ärztlicher Anordnung und Stationsstandard. Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern auch der Verlauf. Das Sekret kann serös, blutig-serös oder sanguinolent sein. Trübung, auffälliger Geruch oder eine ungewöhnliche Färbung verlangen eine klinische Einordnung.
- Menge: Fördervolumen und Zeitpunkt im PDMS festhalten.
- Farbe: Wechsel von blutig zu serös im Verlauf beachten.
- Konsistenz: Flüssiges, flockiges oder ungewöhnlich zähes Sekret beschreiben.
- Wundgebiet: Schwellung, Spannung, Rötung und Verband kontrollieren.
- System: Sogstatus, Behälterposition, Fixierung und Durchgängigkeit prüfen.

Typische Fehler sind ein zu hoch aufgehängter Behälter, ein versehentlich reaktivierter Sog, ein geknickter Schlauch oder ein unbemerkter Zug bei der Mobilisation. Neue Pflegekräfte profitieren von einer kurzen Checkliste am Bett: Anordnung prüfen, System ansehen, Wunde beurteilen, Sekret dokumentieren und Auffälligkeiten weitergeben. Ergänzende Hinweise zur Versorgung nach einem Eingriff bietet der Beitrag Drainage nach OP.
Das folgende Video kann die praktische Handhabung ergänzen. Es ersetzt keine Einweisung in das auf der Station verwendete System und keine ärztliche Anordnung.
Komplikationen erkennen und richtig reagieren
Der Verzicht auf aktiven Unterdruck kann die mechanische Belastung des Gewebes reduzieren. Weniger Zug kann für empfindliche Wundränder, Lymphbahnen und kleine Gefäße günstiger sein. Auch das Ziehen der Drainage wird bei soglosen Systemen häufig als weniger schmerzhaft empfunden, wie die fachlich zusammengefasste Literatur zur Drainageentfernung beschreibt.
Das Risiko verschwindet dadurch nicht, es verändert sich. Bei passiver Ableitung kann Sekret zurückbleiben, wenn der Abflussweg nicht frei ist oder der Behälter falsch positioniert wird. Eine Nachblutung kann sich zunächst im Wundgebiet sammeln, während die Fördermenge unerwartet gering bleibt.
Frühwarnzeichen am Patientenbett
Besonders aufmerksam sollten Pflegende werden, wenn die Fördermenge plötzlich zurückgeht und das Wundgebiet gleichzeitig prall, gespannt oder zunehmend geschwollen wirkt. Auch ein neu auftretendes Hämatom, eine deutliche Verfärbung der Haut oder eine rasch zunehmende Schmerzintensität müssen zeitnah beurteilt werden.
Infektionszeichen sind trübes oder eitrig wirkendes Sekret, auffälliger Geruch, zunehmende Rötung, Überwärmung und Fieber. Tachykardie oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands können zusätzliche Warnzeichen sein, sind aber immer im gesamten klinischen Zusammenhang zu bewerten.
Sicherheitsgedanke: Eine sinkende Fördermenge ist nur dann beruhigend, wenn Wunde, Patient und Drainagesystem gleichzeitig unauffällig sind.
Vorgehen bei Auffälligkeiten
Zuerst prüfen Sie die einfache Ursache: Liegt der Behälter unterhalb der Wunde? Ist der Schlauch frei, fixiert und ohne Knick? Hat sich die Drainage bei der Mobilisation verschoben? Manipulationen, Spülungen oder ein eigenständiges Herausziehen gehören nicht in die Routinepflege, sofern sie nicht ausdrücklich angeordnet sind.
Bei verdächtiger Schwellung, Nachblutung oder Infektion informieren Sie den Operateur beziehungsweise den zuständigen ärztlichen Dienst. Je nach Befund können eine klinische Untersuchung und eine Sonographie notwendig werden. In kritischen Situationen kommt auch eine operative Revision infrage. Die Hinweise zur Nachblutung nach dem Ziehen einer Drainage verdeutlichen, warum eine Veränderung nach Drainageentfernung nicht bagatellisiert werden sollte.

Kriterien für die sichere Entfernung der Drainage
Die Entfernung richtet sich nicht nach einer einzigen Zahl. Eine Fördermenge unter 20 bis 50 ml serösem Sekret pro 24 Stunden kann je nach Eingriff als Faustregel verwendet werden, sollte aber immer mit dem Operationsgebiet und dem klinischen Befund abgeglichen werden. Diese Spannbreite stammt aus der im Briefing vorgesehenen Entfernungshilfe und ist keine universelle Vorgabe für jede Wunde.
Vier Fragen vor dem Ziehen
- Wie viel Sekret ist zuletzt abgeflossen? Entscheidend ist die dokumentierte Menge der letzten 24 Stunden, nicht ein einzelner Blick auf die Flasche.
- Nimmt die Fördermenge ab? Eine abnehmende Tendenz über 48 Stunden spricht eher für einen fortschreitenden Abschluss der Ableitung, sofern die Wunde weich und klinisch unauffällig ist.
- Wie sieht das Sekret aus? Der Übergang von blutig zu serös ist günstiger als anhaltend frisches Blut, eitrige Trübung oder ungewöhnlicher Geruch.
- Wie präsentiert sich die Wunde? Hämatom, Serom, zunehmende Schwellung, starke Spannung oder relevante Schmerzen müssen vor einer Entfernung ärztlich beurteilt werden.

Die Liegedauer ist ebenfalls eine individuelle Entscheidung. Eine deutschsprachige Literaturübersicht hält fest, dass eine Drainagenliegezeit bis zu 72 Stunden nicht mit einer erhöhten Infektionsrate einhergeht. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Drainage so lange liegen muss oder dass eine längere Liegezeit immer sinnvoll ist. Die Entfernung erfolgt nach ärztlicher Anordnung und abhängig von Eingriff, Wundbefund und Sekretverlauf.
Durchführung und Dokumentation
Vor dem Ziehen werden Patientin oder Patient informiert und bequem gelagert. Die Fixierung wird gelöst, der Schlauch auf Vollständigkeit geprüft und die Drainage unter Einhaltung der lokalen Standards zügig entfernt. Anschließend wird die Einstichstelle inspiziert und mit einem geeigneten Verband versorgt.
Dokumentiert werden Entfernungszeitpunkt, Fördermenge der letzten 24 Stunden, Sekretbeschaffenheit, Wundbefund und Verträglichkeit. Bei ambulanter Entfernung braucht die Patientin klare Anweisungen zu Verband, Bewegung, Hygiene und Warnzeichen. Bei einer Komplikation kann eine vorzeitige Entfernung oder ein Wechsel des Systems erforderlich sein, das entscheidet der behandelnde Arzt. Der Beitrag zum Redon-Drainage-Ziehen ergänzt die praktische Perspektive auf diesen Schritt.
Evidenz, Leitlinien und Entscheidungshilfen für die Praxis
Die verfügbare deutschsprachige Evidenz spricht nicht für eine generelle Überlegenheit der Saugdrainage. Die randomisierte Schilddrüsenstudie zeigte bei sogloser Drainage eine deutlich geringere mediane Fördermenge, bei ähnlichem Resthämatom und ohne berichtete Komplikationen. Die systematische Übersicht mit der zitierten Untersuchung an 200 Patientinnen und Patienten fand ebenfalls keinen statistisch signifikanten Vorteil der Saugdrainage bei Sekretabfluss, Resthämatom oder Komplikationen.
Das bedeutet nicht, dass Sogdrainagen überflüssig sind. Bei ausgedehnten Wundflächen, relevanter Blutungsgefahr oder schwer überschaubaren Toträumen kann der aktive Unterdruck weiterhin sinnvoll sein. Für kleine, gut adaptierte Wunden mit erwartbar geringer Sekretlast kann dagegen ein passives System oder eine Redon ohne Sog ausreichend sein.
Eine pragmatische Entscheidungshilfe
| Eingriff | Empfohlener Modus | Typische Liegedauer | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Ausgedehnte Weichteil- oder Gelenkoperation | Redon mit Sog erwägen | Individuell nach Befund | Klinische Abwägung |
| Kleine Schilddrüsenoperation | Soglose Drainage oder passives System erwägen | Bis zu 72 Stunden möglich, wenn klinisch angezeigt | Prospektiv randomisierte Daten und Übersicht |
| Ausgewählte Brustoperation | Sogloser oder passiver Modus möglich | Nach Fördermenge und Wundbefund | Eingeschränkte, eingriffsspezifische Evidenz |
| Oberflächliche Weichteilwunde | Passive Schwerkraftdrainage erwägen | Individuell nach Sekretverlauf | Qualitative Orientierung |
| Erhöhtes Nachblutungsrisiko | Aktiver Sog nach ärztlicher Entscheidung | Nach Verlauf und OP-Standard | Klinische Indikation |
Klare Leitlinienstatements zur Frage „klassische Redon deaktivieren oder direkt passives System wählen“ sind im deutschsprachigen Fachkontext nur begrenzt verfügbar. Deshalb sollten Operateur, Pflege und, wenn relevant, Anästhesie den Modus gemeinsam festlegen und die Entscheidung nachvollziehbar dokumentieren.
Dexter Life Science veröffentlicht Fachinformationen zur postoperativen Wunddrainage und zum Entfernen von Drainagen. Für Einrichtungen, die ihre postoperative Versorgung mit qualifizierten Pflege- und Gesundheitsfachkräften organisatorisch absichern möchten, bietet Dexter Life Science passende Informationen und personelle Lösungen. Prüfen Sie jetzt Ihre internen Standards für Redon-Drainagen, legen Sie klare Kriterien für den passiven Betrieb fest und besprechen Sie die Entscheidung beim nächsten Teamtraining anhand realer OP-Szenarien.